Christian Gottlieb Geyser hatte in jenen Jahren mit seinem Schaffen so viel Erfolg, daß er am 21. September 1789 im damaligen Dorf Eutritzsch bei Leipzig ein stattliches Landgut für 2300 Taler kaufen konnte. Das Landgut erstreckte sich über die heutige Gräfestraße Nummer 23 bis 27. Am 30. März 1792 zog der Künstler dann mit seiner Familie auf das Anwesen und lebte bis zu seinem Tode im Jahre 1803

im Haus in der Gräfestraße 25, welches bereits seit dem 17. Jahrhundert hier gestanden haben soll. Gestorben ist er an einem Schlaganfall beim Spazierengehen durch den heutigen Arthur-Bretschneider-Park. Nach dem Tod Geysers bewohnte sein Sohn Gottlieb Wilhelm Geyser, der ebenfalls Kupferstecher wurde, das Haus weiter. Er ließ im Garten ein Atelier und auf dem Grundstück Gräfestraße 23 eine stattliche Villa nebst Pferdestall bauen.

Übrigens – auch Johann Wolfgang von Goethe besuchte einst das Geysersche Haus – eine nicht belegbare, aber höchstwahrscheinlich wahre Begebenheit:

Verheiratet war Christian Gottlieb Geyser nämlich seit 1771 mit Wilhelmine, der Tochter seines ehemaligen Zeichenlehrers Adam Friedrich Oeser. Dieser hatte noch eine zweite Tochter, die zwar bis zu ihrem Tode unverheiratet blieb, aber in engem freundschaftlichem Verhältnis zu Johann Wolfgang von Goethe stand. Goethe, noch keine 20 Jahre alt, war von 1765 bis 1768 ebenfalls Zeichenschüler bei Adam Friedrich Oeser und lernte in dieser Zeit auch dessen Familie kennen. Goethe besuchte Oeser oft auf seinem Sommersitz in Dölitz, südlich von Leipzig und schloss mit Oesers ungewöhnlich gebildeter Tochter Friederike Elisabeth 1766 eine Freundschaft, die auch nach seinen Leipziger Jahren noch fortbestand. Bei seinen späteren Besuchen in Leipzig kam es zu weiteren Begegnungen. In seinem Briefgedicht „An Mademoiselle Oeser“ (1768) erinnerte sich Goethe gern an die Gespräche in Dölitz und im Theater. In einem Brief an Friederike schrieb Goethe am 13.2.1769: „Ich ging aus Leipzig und Ihr Geist begleitete mich, mit der ganzen Munterkeit seines Wesens.“ Und noch heute erinnert ein Porträtmedaillon Friederike Oesers am Sockel des Goethedenkmals auf dem Leipziger Naschmarkt an diese Verbindung.

Als Friederikes Vater Adam Friedrich Oeser 1799 starb zog sie in die Gräfestraße zu ihrer Schwester Wilhelmine und ihrem Schwager, Christian Gottlieb Geyser, der auch ihr Vormund wurde. Als unverheiratete Frau war es in der damaligen Zeit nämlich nur unter Schwierigkeiten möglich, sich eine eigene Wohnung zu mieten. Auf dem Geyserschen Gut bewohnte sie das zeitweilig nach ihr benannte “Friederikenhaus” in der Gräfestraße 25.

Daß Goethe sie einst hier besuchte ist historisch nicht belegt. Aber ein Fakt spricht dafür: Goethe war gern gesehener Gast in der ersten und lange Zeit einzigen Gosenschänke im Raum Leipzig am Eutritzscher Markt, nur wenige Meter vom Geyserschen Haus entfernt. Die Gose war so beliebt, daß es ganze „Völkerwanderungen“ nach Eutritzsch gab: Student und Bürger, Ratsherr und Handwerker, alle wandern in die Gosenschänke. Auch Goethe war begeistert – er soll geschrieben haben: “Ja, in der Gosenschänke hab’ ich oft gesessen!” Daß er davor oder danach seiner lieben Freundin Friederike und dem ihm ebenso verbundenen Christian Gottlieb Geyser einen Besuch in der Gräfestraße abstattete, ist also sehr wahrscheinlich.